3. DIALOGWORKSHOP KuBi-Meta: Let’s Talk Coding: Vom Kodieren zum Coden? Qualitative Bildungsforschung und -praxis im Zeitalter generativer KI

3. DIALOGWORKSHOP des BMBFSFJ-geförderten Meta Forschungsvorhabens „Kulturelle Bildung in gesellschaftlichen Transformationen (TP1)“

Let’s Talk Coding: Vom Kodieren zum Coden? Qualitative Bildungsforschung und -praxis im Zeitalter generativer KI

in Kooperation mit dem Arbeitskreis Ästhetik – Digitalität – Kultur (AK ÄDK), der Landesvereinigung Kulturelle
Bildung Bayern (LKB:BY) und der Nürnberger Akademie für digitale Kultur und performative Bildung

Wer in der kulturellen Bildung und anderen pädagogischen Kontexten qualitativ forscht, analysiert und kodiert Material (Transkriptionen, Bilder, Audio, Video). Sequenzen werden gebildet, Kategorien vergeben, Deutungsmöglichkeiten durch Anwendung von Interpretationsmethoden nach und nach expliziert. Qualitative Forschungsprozesse sind aufwändige und langsame Prozesse des stufenweisen Produzierens von immer weiter verdichteten interpretativen Texten. 

Dies beginnt sich im Zeitalter von Large Language Modellen (LLM wie Claude, Kimi, GLM oder GPT) rasant zu verändern: Wer heute qualitativ forscht, kann nun auch im weitesten Sinne coden: Eine Prompt-Anweisung für eine KI ist ein (natural-language-)Code, der einen Chatbot oder eine Analyse-Software (MaxQDA, AtlasTI, Karl AI u.a.m.) anweist, empirisches Material auf eine bestimmte Weise automatisiert auszuwerten. Und sogar diese Softwareumgebung selbst kann im Kontext von „vibe- coding“ mittels KI selbst programiert werden. Von Forschenden erstellte Prompts und Analyse-Softwares sind – als Code – auch „Text“, aber sie sind performative Meta-Texte, die auf diemaschinelle Hervorbringung interpretativer Texte abzielen. 

In diesem Sinne greifen qualitatives Forschen und Coden zunehmend ineinander: Entscheidungen über Kategorien, Schwellen und Vergleiche, aber auch Methodenverständnisse und ihre paradigmatischen Grundgedanken wandern in Code hinein — und möglicherweise wandern sie auch ab. 

Anhand praktischer Erfahrungen und konkreter Bezugsbeispiele diskutieren wir mit unserem Gast – dem Erziehungswissenschaftler Burkhard Schäffer, der seit vielen Jahren auch an qualitativen Analyse-Softwares arbeitet, mittlerweile an KI-gestützten Systemen – im Rahmen des dritten Dialogworkshops des Meta-Vorhabens zur Förderlinie Kulturelle Bildung in gesellschaftlichen Transformationen (TP1) Fragen, die gegenwärtig die Forschung, aber auch die pädagogische Praxis
betreffen:

  • Welche Position nehmen Coding-Agents in Forschungsprozessen (potenziell) ein: sind sie bloßes Werkzeug, sind sie ein Gegenüber, das humane Interpretationsprozesse verbessert, oder sind sie als Ko-Aktanten integraler Teil des Interpretationsprozesses – und gehen die nicht<menschlichen Deutungsoptionen generativer KIs möglicherweise längst in den Forschungsalltag der Bildungsforschung und der erziehungswissenschaftlichen Forschung ein?
  • Was heißt es, wenn der wissenschaftliche Nachwuchs demnächst von vornherein beginnen wird, mit KI-gestützten Auswertungswerkzeugen zu arbeiten, d.h. interpretieren zu lernen – wenn also ein „KI-abstinentes“ Denken, (Denken-)Lernen und Forschen ebenso Vergangenheit sein wird wie es das „digital-abstinente“ Leben und Forschen mittlerweile ist?
  • Wird die von KI beschleunigte Interpretation die reflexive Distanz verkürzen, die qualitative Methodik traditionell gerade durch ihre Langsamkeit erzeugt hat?
  • Was bedeutet es, Software aus einer wissenschaftlichen Position heraus selbst zu erstellen (anstatt dies globalen Firmen zu überlassen)? Was bedeutet es, wenn nun mit Coding-Agents sogar von einzelnen oder kleinen Gruppen eigene Analyse-Softwares erschaffen werden können?
  • Wird schließlich die zeitlich nicht entlastete pädagogische Praxis KI-gestützte Auswertungen und Interpretationen empirischen Materials – z.B. eigener Evaluationsdaten – durchführen (können und wollen)? Würden durch maschinelle Interpretation pädagogischer Prozesse potenziell auch Forschungs-Praxis-Verhältnisse verschoben, welche Folgen hätte
    dies?
REFERENTEN       
Burkhard Schäffer & Benjamin Jörissen
WANN 
Freitag, 16.10.2026 von 9:00–13:00 Uhr
WO 
Online / Zoom
ANMELDUNG 
bis 12.10.2026 an elke.moeller@fau.de 

Die Teilnahme ist kostenlos und steht allen Interessierten offen. Den Zugangslink sowie ggf. weitere Informationen erhalten Sie nach Anmeldung. Auf Anfrage kann eine Teilnahmebestätigung ausgestellt werden. Alle Informationen finden Sie auch unter kubi-meta.de.

>>> zum 4. Dialogworkshop


HINWEISE ZUR AUFZEICHNUNG

Die Veranstaltung wird zu Forschungszwecken sowie zu Zwecken der Wissenschaftskommunikation aufgezeichnet. Aus der Audioaufzeichnung wird im Nachgang ein Podcast erstellt. Wortbeiträge aus dem Publikum werden nur nach vorheriger Zustimmung veröffentlich oder anonymisiert, verfremdet und/oder paraphrasiert verwendet. Für die Auswertung im Forschungskontext werden die Daten pseudonymisiert. Eine Teilnahme ohne Aufzeichnung ist möglich, sofern Sie auf Wortbeiträge verzichten und Ihre Kamera ausgeschaltet lassen. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an uns.

Von
Bis
Ort
Online: Zoom
Zielgruppe
Für Praxis, Für Wissenschaft